Irisdiagnostik medizinisch sinnlos

Das Konzept der Irisdiagnostik, die sogenannte Iridologie, die zu den alternativen Diagnoseverfahren zählt, ist aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht unhaltbar, betonten Augenärzte anlässlich des 116. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) vom 27. bis 30. September 2018 in Bonn.
Einige krankhafte Veränderungen der Regenbogenhaut können tatsächlich auf Systemerkrankungen des Körpers hindeuten. „Das angeborene Fehlen der Iris etwa kann auf einen Nierentumor hinweisen, Knötchen an der Iris auf eine Trisometrie 21, eine Neurofibromatose oder eine Sarkoidose“, berichtete Nicole Eter, Präsidentin der DOG und Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster. Zudem können sich bösartige Tumoren der Lunge oder der Brustdrüse an der Iris absiedeln.

Änderungen der Struktur in Form von Furchen, Streifen, Farbe oder Flecken hingegen besitzen keine medizinische Aussagekraft. Davon geht die Iridologie jedoch aus. „Eine Fehlannahme“, wie Martin Rohrbach von der Universitäts-Augenklinik Tübingen betonte. „Bis heute gibt es für die Irisdiagnostik keine anatomische oder physiologische Evidenz“, stellte der DOG-Experte fest. Sie sei medizinisch sinnlos. Bei den „Irisflecken“ etwa handle es sich um harmlose Ansammlungen von Pigmentzellen. „Die bräunlichen Punkte hat fast jeder im Auge“, so Rohrbach.

Dementsprechend konnten die Thesen der Iridologie, wonach alle Teile des menschlichen Körpers in Form von „Organfeldern“ repräsentiert seien, noch in keinem einzigen Fall wissenschaftlich bestätigt werden. „Egal, ob es sich um Karzinome des Magen-Darm-Traktes handelte oder Gallenblasenleiden: Die Irisdiagnostik kam über die reine Ratewahrscheinlichkeit nicht hinaus“, erklärte Rohrbach.

Dennoch sind in Deutschland schätzungsweise 5.000 bis 8.000 Heilpraktiker iridologisch tätig, so die DOG. Auch ist die Irisdiagnostik mit einer eigenen Abrechnungs-Nummer im Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) vertreten.


G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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