Langzeittherapien der Borreliose nicht sinnvoll

In einer hochrangig publizierten Studie wurde erneu belegt, dass die vielfach von selbsternannten Borreliose-Spezialisten propagierten wiederholten Langzeittherapien der (vermeintlichen) Borreliose oder deren Residuen nicht sinnvoll sind und allenfalls einen Plazeboeffekt bedienen, berichtete Frank Erbguth von der Klinik für Neurologie am Klinikum Nürnberg – Paracelsus Medizinische Privatuniversität auf dem 12. Allgemeinmedizin-Update-Seminar am 27. und 28. April 2018 in Wiesbaden.
In der randomisierten Doppelblind-Studie wurden Patienten mit persistierenden Symptomen, die auf eine Borreliose geschoben wurden – z. B. aufgrund von positiven Titern – für 12 Wochen dreiarmig entweder mit Doxycyclin, Clarithromycin plus Hydroxychloroquin oder Plazebo therapiert. Zuvor hatten alle Teilnehmer eine 2-wöchige intravenöse Ceftriaxon-Therapie erhalten.

Bei den 280 eingeschlossenen Patienten unterschieden sich die Beschwerden nicht signifikant. Die Beschwerden nahmen in allen Gruppen leicht ab; auch bei den Nebenwirkungen zeigten sich keine Unterschiede. Damit ergaben sich keinerlei positive Effekte der antibiotischen Langzeittherapie, die über einen Plazeboeffekt hinausgingen.

Die Studie belegt nochmals klar, dass es medizinisch keinen Sinn macht, wiederholte Antibiotikabehandlungen bei tatsächlichen oder vermeintlichen Borreliosen durchzuführen, kommentierte Erbguth diese Ergebnisse. Die Überinterpretation oder Fehlinterpretation von serologischen Testergebnissen sei ein Mosaikstein im Gesamtproblem der in der Öffentlichkeit vielfach propagierten (angeblichen) chronischen Lyme-Borreliose, die als Erklärung unspezifischer und höchst variabler Beschwerdenbenutzt werde. Die Auseinandersetzung werde gerade in Deutschland mit großer Vehemenz geführt.

(Berende A, ter Hofstede HJ, Vos FJ et al.: Randomized trial of longer-term therapy for symptoms attributed to Lyme disease. NEJM 2016; 374 (13): 1209-1220.)

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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