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MedSach Ausgabe: 06-2017, Seite 274 - 280
A. Diebel

Psychiater und Psychologe – wer begutachtet was? – Sicht der Neuropsychologen

Abstract deutsch

Zusammenfassung: Die Begutachtung der Auswirkungen von Hirnschädigungen ist im Rahmen verschiedener Rechtsgebiete der sozialen Sicherungssysteme gefragt, um Art und Ausmaß von Hirnfunktionsstörungen sowie möglichen sekundären psychischen Störungen infolge von Erkrankungen oder Verletzungen des Zentralnervensystems zu bestimmen. Auftraggeber sind gesetzliche Unfallversicherungen und die Deutsche Rentenversicherung, private Unfall-, Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, Versorgungsinstitutionen sowie Behörden und Gerichte. Fragestellungen beziehen sich auf die krankheits- bzw. unfallbedingte Minderung der Erwerbsfähigkeit, den Invaliditätsgrad, den Grad der Behinderung bzw. der Schädigungsfolgen oder die beamtenrechtliche Dienstfähigkeit. Die Ableitung der Auswirkungen von kognitiven und affektiven Störungen auf die berufliche Leistungsfähigkeit, die allgemeine Lebensführung sowie die Aktivität und Teilhabe in verschiedenen Lebensbereichen erfolgt nach differenzierter neuropsychologischer Untersuchung mittels auf den Einzelfall abgestimmter, ausgewählter diagnostischer Instrumentarien. Exploration und Verhaltensbeobachtung sowie eine wissenschaftlich fundierte Beschwerdenvalidierung sind ebenfalls Teil der Begutachtung und ebenso wie die Erhebung leistungspsychologischer Parameter Grundlage des Entscheidungsprozesses. Die psychometrische Objektivierung – d.h. eine auf statistische Normen bezogene Einordnung des kognitiven und emotionalen Funktionsniveaus einer Person – erlaubt die Aufdeckung und Quantifizierung des Schweregrades von Funktionseinschränkungen beispielsweise im Bereich der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der exekutiven Funktionen. Bei der gutachterlichen Beurteilung sind gemäß eines ganzheitlichen Ansatzes im Sinne der ICF die Wechselwirkungen zwischen gesundheitlichen Problemen einer Person und ihrem gesamten Lebenshintergrund zu berücksichtigen. Abschließend können Fragen zu therapeutischen bzw. rehabilitativen Maßnahmen zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit und / oder zur sozialen, schulischen oder beruflichen Wiedereingliederung sowie gegebenenfalls Prognosen zum weiteren Verlauf und zur Dauerhaftigkeit von Beeinträchtigungen beantwortet werden. Anhand von vier Kasuistiken zu verschiedenen Rechtsgebieten soll die Aussagekraft neuropsychologischer Gutachten im inter- disziplinären Kontext verdeutlicht werden.

Stichworte: NeuropsychologischeGutachten–kognitive Störungen – ICF – Psychometrie – Beschwerdenvalidierung

Abstract English

Psychiatrist and psychologist – Who assesses what? – Perspective of a neuropsychologist

Abstract: An assessment of the effects of brain damage is required within various legal areas of social security systems, in order to establish the nature and extent of brain function disorders and possible secondary mental disorders resulting from illnesses or injuries to the central nervous system. The clients are statutory accident insurance companies and the German Statutory Pension Insurance Scheme, private accident, public liability and disability insurance companies, care institutions and authorities and courts. The questions relate to an illness- or accident-related reduction in ability to work, the extent of disability, the degree of incapacity and the results of damage or the capacity to work under civil service law. The effects of cognitive and affective disorders on occupational performance, general life management and activities and participation in various area of life are established in the basis of a nuanced neuropsychological examination using select diagnostic tools tailored to the individual case. Exploration und behavioural observations and a scientifically founded validation of symptoms also form part of the assessment, as do the collation of performance-defining psychological parameters forming the basis of the person’s decision-making process. The psychometric objectivization – i.e. a classification of a person’s cognitive and emotional functional level based on statistical standards – allows the severity of functional impairments in areas such as perception, attentiveness, memory and executive functions to be identified and quantified. The expert assessment must factor in the interplay between the health problems of a person and their general life background in accordance with a holistic approach under the ICF system. Finally, questions can be answered regarding therapeutic or rehabilitative measures to maintain ability to work and/or concerning social, academic or professional reintegration and any relevant forecasts on further pathways and the permanence of impairments. The significance of neuropsychological assessments in interdisciplinary contexts is to be illustrated using four case histories from various areas of law.

Keywords: neuropsychological assessment – cognitive disorders – ICF – psychometry – validation of symptoms

Anschrift des Verfassers:
Dr. rer. nat. Andrea Diebel
Praxis für Neuropsychologie und Verhaltenstherapie / Begutachtung
Oldenburger Straße 30
10551 Berlin

 

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