Warnung vor Cannabis zur Kopfschmerztherapie

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) rät von der Verordnung bzw. Anwendung von Cannabis zur Behandlung von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen aufgrund der unzureichenden Datenbasis ab. Es gibt bislang keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Behandlung von Kopfschmerzerkrankungen mit Cannabinoiden einem Plazebo oder gar etablierten Therapieverfahren überlegen ist, berichtete Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) und Oberärztin an der Neurologischen Universitätsklinik München, Klinikum Innenstadt, auf dem Deutschen Schmerzkongress vom 11. bis 14. Oktober 2017 in Mannheim.
Tierexperimentelle Daten zeigen einen möglichen Einfluss auf die Entstehung und Ausbreitung der Cortical Spreading Depression (CSD), der neurophysiologischen Grundlage der Migräneaura. Zwar sind Einzelfälle zu positiven Effekten publiziert; kontrollierte Studien, welche die Wirkung von Cannabinoiden mit Plazebo oder einer etablierten Behandlung vergleichen, fehlen jedoch völlig.

Die pharmakologisch wirksamen Komponenten der diversen Cannabisblüten und der verfügbaren Fertigarzneimittel sind in ihrer Zusammensetzung heterogen und deren Wirkeffekte auf den Organismus vielfältig. Cannabinoide haben keinen ausschließlich und spezifisch schmerzlindernden Effekt. Daher können bei Anwendung von „Cannabis“ grundsätzlich weder einheitliche schmerzlindernde noch einheitliche andere Effekte erwartet werden. Nur durch standardisierte Studien kann geprüft werden, ob bei Anwendung von pharmakologisch definierten Cannabinoiden die für die jeweilige Indikation gewünschten Effekte die unerwünschten überwiegen und ob bei Langzeitanwendung die erforderliche Sicherheit gegeben ist, erklärte Förderreuther.

Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen sind für die Betroffenen zweifellos eine große Last. Mit den etablierten medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsmethoden können auch Patienten mit chronischen Kopfschmerzen in aller Regel gut behandelt werden. Das Risiko einer ungeprüften Therapie mit nicht absehbaren Wirkeffekten und unklaren Langzeitfolgen soll und muss in aller Regel nicht eingegangen werden, so die Präsidentin der DMKG.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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