MedSach Ausgabe: 03-2017

Risiken der Tumeszenzanästhesie

Grundlagen und Risiken der Tumeszenzanästhesie bei der Liposuktion schilderte Prof. Dr. Hinnerk Wulf von der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Marburg auf dem 8. Anästhesie-Update-Seminar am 3. und 4. März 2017 in Mainz. Tumeszenz-Lidocainlösungen enthalten üblicherweise 1 g Lidocain pro Liter, dem dann noch eine verdünnte Adrenalinlösung und geringe Mengen Natriumbikarbonat zugesetzt werden, so dass insgesamt eine 0,09%ige Lidocainlösung resultiert, bzw. eine Adrenalinkonzentration von 1:111.000.

Wenn erheblich verdünnte hohe Volumina von Lidocain mit Adrenalinzusatz infiltriert werden, so sind die Plasmakonzentrationen offenkundig niedriger und treten deutlich verzögerter auf im Vergleich zu einer Infiltration der identischen Dosis in hoher Konzentration und niedrigem Volumen. Dies erklärt zum Teil, warum bei der Tumeszenztechnik erheblich größere Substanzmengen eingesetzt werden können, ohne dass toxische Plasmakonzentrationen und entsprechende klinische Nebenwirkungen resultieren.

Ein weiterer Mechanismus ist, dass über die Liposuktion ein nicht unbeträchtlicher Teil des Lidocains wieder abgesaugt wird und damit nicht in die systemische Zirkulation gelangt. Auch dieser Mechanismus dürfte dazu beitragen, dass die resultierenden Plasmakonzentrationen vergleichsweise niedrig bleiben.

Gerade aus dem Bereich der Liposuktion sind allerdings zahlreiche Todesfälle beschrieben, bei denen oft unklar ist, ob die systemische Wirkung von Lokalanästhetika oder Adrenalin eine Rolle gespielt hat, ob es zu Volumenüberlastung bei kardial vorgeschädigten Patienten gekommen ist oder ob ein unzureichendes Monitoring der Patienten bei gleichzeitiger Sedierung der Schädigungsmechanismus war, warnte Wulf.

Aktuelle Daten von Klein und Jeske zeigen nun, dass die maximalen Plasmakonzentrationen von Lidocain z. T. erst nach 18 Stunden erreicht werden. Dementsprechend sollten diese Patienten für 24 Stunden überwacht und nicht ambulant entlassen werden.

Die Gefahr von Nebenwirkungen erscheint erhöht, wenn Dosierungs- oder Mischungsfehler bei der Herstellung der Lösungen auftreten, wenn der Lidocain-Metabolismus durch Stoffwechselerkrankungen oder durch Interaktion mit anderen Substanzen (Propofol!) beeinträchtigt ist oder die Toxizität durch eine niedrige Serumproteinkonzentration (hohe freie Fraktion des Lidocains) gesteigert ist.

(Klein JA, Jeske DR: Estimated maximal safe dosages of tumescent lidocaine. Anesth Analg Mai 2016; 122 (5): 1350–1359)G.-M. Ostendorf, Wiesbaden 

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Schlagworte zu diesem Artikel:

Plasmakonzentration (67%)Anästhesie (37%)

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