Klinische Umweltmedizin – ein sehr fragwürdiges Konzept

Während die allermeisten Vorträge auf dem 125. Internistenkongress vom 4. bis 7. Mai 2019 in Wiesbaden ausgesprochen wissenschaftlich waren, fanden sich auch fragwürdige Veranstaltungen, so das Symposium „Multimorbidität – Herausforderungen an eine individualisierte Medizin“, ausgerichtet von der Europäischen Akademie für Umweltmedizin e.V.
Propagiert wurde dort die „Klinische Umweltmedizin als Vorreiter einer individualisierten Medizin“, wobei nicht nur die äußerst umstrittene Diagnose Multiple Chemical Sensitivity (MCS, multiple Chemikalien-Überempfindlichkeit) und das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS), sondern auch die Fibromyalgie als eine Folge genetisch bedingter Entgiftungsstörungen interpretiert wurde. Als therapeutische Methoden wurden etwa orthomolekulare Medikation, Chelattherapie (zur Ausleitung von Metallen), Apheresebehandlung, Hyperthermie, Darmsanierung und Sauerstofftherapie genannt.

Angesichts solch alternativmedizinisch anmutender Konzepte verwundert es allerdings nicht, dass von den Referenten beklagt wurde, dass die Klinische Umweltmedizin an den Universitäten nicht gelehrt wird, dass es sich dabei nicht um eine Kassen-, sondern um eine sog. IGeL-Leistung handelt, und dass die Klinische Umweltmedizin im „Begutachtungswesen“ als „schulmedizinisch nicht anerkannt“ eingestuft wird.

Vor Gutachtern, welche sich an den Grundsätzen der Klinische Umweltmedizin orientieren und diese als Grundlage ihrer Beurteilung machen, muss daher dringend gewarnt werden. Sie verstoßen gegen den Grundsatz, dass Gutachter an die medizinisch-wissenschaftlichen Standards gebunden sind, wie etwa in der aktuellen AWMF-Leitlinie „Allgemeine Grundlagen der medizinischen Begutachtung“ (AWMF-Registernummer: 094/001) ausdrücklich gefordert wird.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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