Anti-Aging-Effekte etwa durch Testosteron nicht belegt

Mit dem Altern geht die Abnahme verschiedener körpereigener Hormone einher. Um diesen „Mangel“ auszugleichen, gibt es einen großen Markt für Hormonersatzpräparate, etwa die Gabe von Testosteron, Wachstumshormon, Melatonin oder Dehydroepiandrosteron (DHEA). Doch substantielle Anti-Aging-Effekte bezüglich dieser Hormongaben sind nicht belegt, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich der 3. Deutschen Hormonwoche vom 15. bis 22. September 2018.
Mit zunehmendem Lebensalter lässt die Hormonproduktion nach. „Dieser Abfall der Hormone ist jedoch nicht die Ursache, sondern die Folge des natürlichen Alterungsprozesses“, erklärte Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE. „Auch wenn es heute einen großen Markt an Hormonprodukten und Therapien gibt, die versprechen, den natürlichen Alterungsprozess hinauszuzögern, die Leistungsfähigkeit, das jugendliche Aussehen und die Lebensqualität auf hohem Niveau zu erhalten sowie gar das Leben insgesamt zu verlängern, gibt es hierfür keinen wissenschaftlichen Beleg“, mahnte Weber, Leiter der Endokrinologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

So sinkt etwa ab dem 40. Lebensjahr der Testosteronspiegel des Mannes jedes Jahr um ein bis zwei Prozent, was zumeist keine spürbaren Auswirkungen hat. Von einem Testosteronmangel mit Folgen wie Libidomangel und anderen Symptomen wie erektiler Dysfunktion sind in Deutschland jedoch nur drei bis fünf Prozent der 60- bis 79-jährigen Männer betroffen. Ihnen hilft eine Ergänzungstherapie mit dem männlichen Sexualhormon.

Diejenigen, die darauf hoffen, durch Testosteron depressiven Verstimmungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Nervosität und nachlassender sexueller Potenz entgegenzutreten, werden auch hier wieder durch die Forschungserbnisse ernüchtert. Plazebo-kontrollierte klinische Studien zur Testosterongabe beim älteren Mann zeigen ganz wenige positive Effekte und diese lediglich auf die Libido. „Da Langzeitdaten bezüglich der Sicherheit nicht vorliegen und Hinweise für einen möglichen negativen Effekt auf das Herzinfarktrisiko bestehen, sollte auch hier sehr vorsichtig und mit guter Aufklärung der Patienten vorgegangen werden“, betonte Sven Diederich, Vizepräsident der DGE und Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland.

Das Fazit der DGE-Experten lautet: Anti-Aging-Effekte bezüglich Hormongaben im Alter sind nicht belegt, verursachen unnötige Kosten und sollten aufgrund potentieller Risiken nicht außerhalb klinischer Studien durchgeführt werden. Es gibt andere Maßnahmen, wie insbesondere die Gewichtsregulation. Sie ist besser belegt und hat zum Teil auch positive Effekte auf die eigene Hormonproduktion im Alter. „Ein Body-Mass-Index von unter 25 ist eine gute Anti-Aging-Maßnahme, dazu Bewegung und moderater Sport“, empfahl Diederich.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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