Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ vorgestellt

Die Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“, die erstmals in Europa auf wissenschaftlich fundierter Grundlage die Fahrtauglichkeit bei Diabetes bewertet, wurde auf einer Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 22. März 2018 in Berlin vorgestellt. Damit, so die DDG, liegen jetzt klare Handlungsempfehlungen vor für mehr als sechs Millionen Patienten in Deutschland, v. a. aber für die betreuenden Ärzte sowie auch für Verkehrsmediziner, Amtsärzte, Diabetesberater sowie Diabetesschulungsteams, Psychologen, Behörden und politische Gremien, sozialmedizinische Berater und Entscheider einschließlich Versicherungsfachleuten.
Immer wieder wurde bisher – auch von Diabetologen und Diabetesberatern – die Meinung vertreten, Patienten mit Diabetes, die z. B. eine Insulintherapie benötigen, könnten dadurch automatisch nicht mehr als Bus- oder Lkw-Fahrer arbeiten. Dies trifft nach den maßgeblichen Begutachtungsleitlinien der Bundesanstalt für das Straßenwesen (BAST) jedoch nicht zu.

Ein wichtiger Punkt der Leitlinie ist deshalb, zu diesem Thema, das für Berufstätigkeit und Teilhabe vieler Menschen mit Diabetes von enormer Wichtigkeit ist, die notwendigen Hintergrundinformationen zu liefern, basierend auf standardisierter externer Literatursuche. Deshalb hat die Leitlinie das Niveau S2e – das „e“ steht dabei für „evidenzbasiert“.

Wichtige Gründe, die Fahreignung zu verlieren, sind allerdings eine unbehandelte Schlaf-Apnoe oder wiederholte schwere Unterzuckerungen. „Bei zwei schweren Unterzuckerungen im Wachzustand innerhalb eines Jahres darf man zunächst nicht mehr Auto fahren“, berichtete Reinhard Holl, Epidemiologe der Universität Ulm und Koordinator und Mitautor der Leitlinie.

Die neue Leitlinie bringt nicht nur medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, sondern dürfte auch dazu beitragen, die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern sowie Menschen mit Diabetes vor unnötigem Verlust der Fahrerlaubnis und damit verbundener sozialer Ausgrenzung, beruflichem Niedergang und Diskriminierung zu schützen, erklärte der Rechtsanwalt Oliver Ebert, ebenfalls Koordinator und Mitautor der Leitlinie sowie Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG.

Die Leitlinie der Fachgesellschaft bringe den Behandlern nun fachliche und juristische Sicherheit und zeige die fachlich gebotene Vorgehensweise auf. Ein Arzt, der sich an diese wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen halte, handele grundsätzlich „lege artis“ und müsse keine Haftung befürchten.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden
Zeitschriftenkonzept

Der MedSach ist im Kreis der gutachtlichtätigen Ärzte seit über 100 Jahren bewährt. Er informiert in jeder Ausgabe aktuell über medizinische und juristische Probleme in Fragen der Begutachtung.

mehr

E-Mail an die Redaktion

Der direkte Draht zu Ihnen ist uns wichtig. Sind Sie mit unserem Angebot zufrieden? Haben Sie neue Ideen? Fehlt Ihnen etwas?

Schreiben Sie uns!

Heidelberger Gespräch

Vom 29. bis 30. Oktober 2018 in Heidelberg, Deutsches Krebsforschungszentrum

Weitere Informationen

 

Bookshop

Hier finden Sie ausgewählte Titel zur Arbeits- und Sozialmedizin.

zum Bookshop

 

Heidelberger Gespräch

Vom 29. - 30.10.2018 in Heidelberg, Deutsches Krebsforschungszentrum dkfz, weitere Informationen hier

Diesen Hinweis ausblenden.