Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung vom Ketamin in der Behandlung von Depressionen

Auch wenn die Studienlage unbefriedigend ist, so hat die schnell einsetzende und auch anhaltende Wirkung von Ketamin bei affektiven Störungen dazu geführt, dass Ketamin im Off-Label-Use sowohl in intravenöser wie in nasaler Form in der Behandlung von therapieresistenten Depressionen mit offenbar zunehmender Häufigkeit angewendet wird, berichtete Volker Arolt von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster auf dem 8. Psychiatrie-Update-Seminar am 9. und 10. März 2018 in Wiesbaden.
In dieser Situation hat sich die American Psychiatric Association im Jahr 2017 veranlasst gesehen, eine Konsensus-Stellungnahme zum Gebrauch von Ketamin bei affektiven Erkrankungen zu verfassen. Dabei werden u. a. folgende Empfehlungen hinsichtlich möglicher Komplikationen dieser Behandlung genannt:
• Aufgrund eventuell auftretender Nebenwirkungen, insbesondere von erhöhtem Blutdruck sowie erhöhter Pulsfrequenz, aber auch aufgrund der Beobachtung von anderen kardialen Nebenwirkungen bis hin zu einem Herzinfarkt, wird empfohlen, dass ärztlicherseits die Möglichkeit bzw. auch die Erfahrung zur Beherrschung solcher Situationen besteht.
• Das Behandlungssetting sollte dadurch gekennzeichnet sein, dass der Behandlungsraum dafür ausgerüstet ist, die kardiovaskuläre Situation zu überwachen (EKG, Blutdruckmessung) sowie Sauerstoff zur Verfügung zu stellen. Außerdem sollte die Möglichkeit zur Behandlung kardialer Schockzustände bestehen.

Es ist dringend zu empfehlen, diese Richtlinien in einem klinischen Kontext sorgfältig zu beachten, erklärte Arolt. Große Vorsicht bzw. Skepsis sei gegenüber einer weniger stark kontrollierten Behandlung angebracht, bei der entweder die anästhesiologisch/ kardiologische oder die psychiatrische Kompetenz hinsichtlich der Auswahl der Patienten, der Durchführung der Behandlung und der Nachbeobachtung nicht ausreichend vorhanden sei.
Anzumerken ist, dass ein gravierendes Abweichen von diesen Empfehlungen bei Komplikationen im Verlauf der Therapie zum Vorwurf eines Behandlungsfehlers führen kann.

(Sanacora G, Frye MA, et al.: American Psychiatric Association (APA) Council of Research Task Force on Novel Biomarkers and Treatments. A consensus statement on the use of ketamine in the treatment of mood disorders. JAMA Psychiatry 2017; 74 (4): 399–405)

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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