Liposuktion in Tumeszenz-Lokalanästhesie effektiv zur Therapie des Lipödems

Als operative Maßnahme zur dauerhaften Reduktion des krankhaften Unterhautfettgewebes beim Lipödem an Armen und Beinen wird die Liposuktion eingesetzt, berichtete Gerd Rudolf Lulay von der Chirurgischen Klinik II, Gefäß- und Endovascularchirurgie am Mathias-Spital in Rheine auf dem 9. Interdisziplinären Update Gefäßmedizin am 16. und 17. März 2018 in Mainz. Sie ist insbesondere dann angezeigt, wenn trotz konsequent durchgeführter konservativer Therapie noch Beschwerden bestehen bzw. wenn eine Progredienz von Befund (Unterhautfettvolumen) und/oder Beschwerden (Schmerzen, Ödeme) auftreten.

Die Liposuktion sollte aufgrund vieler Vorteile in örtlicher Betäubung mittels Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA), d. h. in Form der „Wet Technique“ mit stumpfen Mikrosonden, durchgeführt werden. Dabei können unterstützende Techniken wie Vibration oder Wasserstrahl eingesetzt werden. Der Eingriff kann ambulant oder stationär erfolgen. Die Indikation muss – unter Berücksichtigung von Patientenfaktoren – jeweils individuell gestellt werden.

 

Die Liposuktion in Tumeszenz-Lokalanästhesie ist heutzutage eine etablierte und risikoarme operative Methode. Mittels anatomischer und klinischer Studien, anhand von Lymphszintigraphien sowie durch immunhistochemische Untersuchungen des Fettgewebsaspirates konnte nachgewiesen werden, dass – im Gegensatz zu früheren Verfahren in Vollnarkose mit „Dry Technique“ – keine relevanten Schäden an den Lymphgefäßen auftreten, erklärte Lulay.

 

Der Eingriff führt zu ausgeprägten Verbesserungen von Spontanschmerz, Druckschmerz, Ödem und Hämatomneigung mit signifikanten Unterschieden prä- und postoperativ. Es wird eine Verminderung der konservativen Therapie, z. T. sogar eine Therapiefreiheit erzielt. Die Befundbesserungen bleiben mehrheitlich über viele Jahre bestehen.

 

Weiterhin werden durch die Reduktion der Fettgewebsdepots an den Oberschenkel- und Knieinnenseiten die mechanisch und okklusiv bedingten Hautschäden reduziert bzw. beseitigt. Die Korrektur der Beinfehlstellung bewirkt eine Besserung der Beweglichkeit und des Gangbildes sowie eine Reduktion des Risikos für weitere orthopädische Komplikationen in Folge des Lipödem-assoziierten pathologischen Gangbildes (z. B. Gon- und auch Koxarthrosen).

 

Allerdings wird das Lipödem nach wie vor noch weitgehend ignoriert – sicherlich den mangelnden Kenntnissen in der Krankheitslehre geschuldet, kritisierte Lulay. Insbesondere den Krankenkassen scheine immer noch nicht klar zu sein, dass durch eine konsequente Behandlungsstrategie auf die Dauer bei verbessertem Outcome durchaus auch ein Einsparpotenzial bei den Behandlungskosten bestehe.

 

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden

 

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