Vitamin C bei Krebs weiter umstritten

Die Einnahme von Vitamin C als Nahrungsergänzung ist bei Mammakarzinom- Patientinnen ab Beginn der Diagnosestellung möglich, berichtet Ralph Mücke, Bad Kreuznach und Ruhr-Universität Bochum. Nach aktuellen Studien kann das möglicherweise die Gesamt- und die brustkrebsspezifische Mortalität reduzieren. Dagegen ist die (nach eigenen Erfahrungen häufig von naturheilkundlich orientierten Ärzten propagierte) Infusionsbehandlung mit hochdosiertem Vitamin C bei Krebs kritisch zu sehen:
So kommt ein systematisches Review zu dem Ergebnis, dass es keine hohe Evidenz für einen zusätzlichen antitumorösen Effekt oder eine Toxizitätsminderung durch orales oder intravenöses Vitamin C begleitend zu Chemotherapie gibt. Anhaltspunkte für eine antitumorösen Effekt werden nur in Kasuistiken und unkontrollierten Studien berichtet, nicht aber in den analysierten randomisierten kontrollierten Studien.

Zudem ist zu bedenken, dass Vitamin C als Antioxidans möglicherweise die Wirkung der Chemo- und der Strahlentherapie vermindert, wobei die in-vitro- sowie die in-vivo-Daten widersprüchlich sind; eventuell liegt ein dosisabhängiger Effekt vor. Eine Abschwächung der Wirkung verschiedener Zytostatika wurde u. a. in vitro nachgewiesen. Zudem vermindert Vitamin C die Wirkung von Bortezomib.

Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen sollten daher orale Dosierungen von mehr als 500 mg Vitamin C pro Tag vermieden werden. Die intravenöse Gabe von Vitamin C simultan zur Chemotherapie muss weiterhin kritisch betrachtet werden, erklärt Mücke zusammenfassend.

(Mücke, R.: Die Rolle von Mikronährstoffen in der Onkologie – Update 2017. Hessisches Ärzteblatt (2017) 78(11): 610-614)

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
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