Hämatopyrrollaktamurie ist keine Erkrankung

Bei der Hämatopyrrollaktamurie (HPU), auch als Kryptopyrrolurie bezeichnet, handelt es sich um keine schulmedizinische Diagnose und auch um keine Unterform der Porphyrien, um keine Stoffwechselstörung im medizinischen Sinne und damit auch um keine Erkrankung, erklärt Prof. Dr. Martin Merkel, Endokrinologikum Hannover, in den Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Eine auf die erhöhte Ausscheidung von Pyrrolen im Urin aufbauende Diagnose oder Therapie entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage

In der alternativen Medizin, insbesondere der orthomolekularen Medizin, wird die Hämatopyrrollaktamurie dagegen als „vergessene Stoffwechselstörung“ bezeichnet und verstärkt beachtet. Sie wird mit einem Vitamin B6- und Zinkmangel in Zusammenhang gebracht und es werden „orthomolekulare Produkte“, vor allem Vitamin B6 und Zink, empfohlen.

 

Es ließ sich jedoch nie ein Zusammenhang mit einem Mangel dieser Substanzen nachweisen, berichtet Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Schatz, Bochum, Mediensprecher der DGE. Holländische Autoren bezeichneten die HPU daher im Jahre 2003 als „Pseudokrankheit“; in den klassischen Lehrbüchern und auch im ICD-10-Schlüssel taucht sie nirgendwo auf.

 

Schatz erklärt, er in seiner Praxis nie mit dieser Diagnose konfrontiert worden. Bei Unternehmen der privaten Krankenversicherung werden allerdings immer wieder Anträge auf Kostenerstattung für eine – meist alternativmedizinisch / orthomolekular orientierte – Behandlung wegen dieser Diagnose eingereicht, wie der Referent aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Somit ist sind Informationen darüber aus gutachtlicher Sicht (bei der Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit) durchaus interessant.

 

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden

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