Diabetisches Fußsyndrom: Amputation verhindern

Immerhin 70 Prozent der Amputationen, die in Deutschland jedes Jahr vorgenommen
werden – das sind rund 40 000 – betreffen Patienten mit Diabetes mellitus. Vier Fünftel dieser Eingriffe ließen sich mit einer geeigneten Behandlung vermeiden, berichtete Prof. Dr. Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart, im Rahmen des 123. Internistenkongresses, der vom 29. April bis 2. Mai 2017 in Mannheim stattfand.
Um das zu erreichen, müssen ärztliche Spezialisten wie Diabetologen und Gefäßchirurgen eng mit Vertretern anderer Gesundheitsberufe wie Podologen, Wundassistenten und orthopädische Schuhmachermeistern zusammenarbeiten. Zu den Grundprinzipien der Behandlung zählen dabei zunächst eine optimale Stoffwechseleinstellung und die konsequente Entlastung des betroffenen Fußes. Bei Infektionen ist eine gezielte Behandlung mit Antibiotika unerlässlich.

„Wenn die Durchblutung des Fußes stark eingeschränkt ist, müssen einzelne Gefäße durch Ballon-Katheterisierung erweitert oder durch einen gefäßchirurgischen Bypass umgangen werden“, erläuterte Lobmann. Um Rückfälle zu vermeiden, sei es auch wichtig, die Schuhe optimal an den (Rest-)Fuß anzupassen und Druckstellen zu vermeiden.

Wie eine erste Datenanalyse ergab, ist das Konzept durchaus erfolgreich: Von rund 18.500 Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom, die zwischen 2005 und 2012 in zertifizierten Zentren behandelt wurden, mussten sich nur 3,1 Prozent einer hohen Amputation unterziehen, bei der der Fuß oberhalb des Sprunggelenks abgenommen wird. Dieser Wert liegt deutlich unter der allgemein üblichen Rate von zehn bis 20 Prozent. In 17,5 Prozent der Fälle war eine Amputation unterhalb des Knöchels notwendig. „Die Zahlen machen deutlich, dass durch die Betreuung in spezialisierten Zentren viele Amputationen vermieden werden können“, erklärte Lobmann.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden
  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden
Zeitschriftenkonzept

Der MedSach ist im Kreis der gutachtlichtätigen Ärzte seit über 100 Jahren bewährt. Er informiert in jeder Ausgabe aktuell über medizinische und juristische Probleme in Fragen der Begutachtung.

mehr

E-Mail an die Redaktion

Der direkte Draht zu Ihnen ist uns wichtig. Sind Sie mit unserem Angebot zufrieden? Haben Sie neue Ideen? Fehlt Ihnen etwas?

Schreiben Sie uns!

Bookshop

Hier finden Sie ausgewählte Titel zur Arbeits- und Sozialmedizin.

zum Bookshop

 

Seite drucken