MedSach Ausgabe: 03-2019

Keine unkontrollierte phytotherapeutische Behandlung bei Krebspatienten!

Vor einer unkontrollierten phytotherapeutischen Behandlung bei Krebspatienten parallel zu einer Chemotherapie warnen Experten in der Zeitschrift „Apotheken Umschau“ (Heft 6/2018), da solche „natürlichen“ Mittel die Effekte der Krebstherapie abschwächen können.

Meist geht es dabei darum, die teilweise starken Nebenwirkungen der Chemotherapie etwas zu lindern, erklärt Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie am Universitätsklinikum Jena. Hier kann etwa Ingwer die typische Übelkeit reduzieren.

Ausdrücklich zu warnen ist aber vor manchen pflanzlichen Präparaten wie etwa solchen aus Johanniskraut, betont Hans-Peter Lipp, Chefapotheker des Universitätsklinikums Tübingen, weil Johanniskraut über eine starke Enzyminduktion dazu führt, dass der Abbau bestimmter Zytostatika massiv beschleunigt wird.

So war nach einer aktuellen niederländischen Studie bei Kolonkarzinom-Patienten, welche das Zytostatikum Irinotecan und Johanniskraut parallel einnahmen, nur noch die Hälfte der arzneilich wirksamen Substanz SN-38 im Blut nachweisbar. „Wenn wir hier 50 Prozent sehenden Auges verlieren, ist der Erfolg der Therapie infrage gestellt“, warnt Lipp.

Auch bei Echinacea (Sonnenhut) gibt es eine ähnliche Tendenz bei gleichzeitiger Gabe von Chemotherapeutika, wenn auch „deutlich schwächer“ als bei Johanniskraut. Hier ist eine Warnung oft angezeigt, da viele Krebspatienten ihr Immunsystem mit Echinacea-Präparaten stärken wollen, um den Krebs zu besiegen. Tatsächlich ist jedoch eine allgemeine Immunstimulation in vielen Fällen gar nicht sinnvoll, zumal manche Krebszellen das Immunsystem blockieren. „Da bringen dann auch Echinacea-Präparate nichts“, so Lipp. In Zweifelsfällen gelte es, eine Nutzen-Risiko-Abwägung vorzunehmen.

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden 

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Johanniskraut (82%)Krebspatient (50%)Präparat (50%)

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