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MedSach Ausgabe: 06-2018, Seite 228 - 234
W. Spellbrink

Rechtsprobleme bei der Verwendung von MdE-Tabellen

Abstract deutsch

Zusammenfassung: Die Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) ist ein wesentlicher Faktor zur Bestimmung der Höhe der Verletztenrente in der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Gesetz stellt in § 56 Abs. 2 SGB VII für die Höhe der MdE gleichrangig auf zwei Faktoren ab: die Beeinträchtigung des körperlichen Leistungsvermögens und die verminderten Arbeitsmöglichkeiten auf dem gesamten Gebiet des Erwerbslebens. Um diese beiden Faktoren für jeden Einzelfall zu bestimmen, müsste der Rechtsanwender sowohl medizinische wie auch arbeitswissenschaftliche Gutachten einholen, was unökonomisch wäre und zu einer Einzelfallrechtsprechung führen würde, wie sie früher Praxis des Reichsversicherungsamts war. Deshalb wurden schon unter Geltung der Reichsversicherungsordnung sog. MdE-Tabellen erstellt, die sich in der Rechtswirklichkeit durchgesetzt haben und wie materielle Rechtsnormen angewendet werden. Zwar wird hierdurch Rechtssicherheit und auch eine gleichmäßige Rechtsanwendung erreicht. MdE-Tabellen sind aber rechtsstaatlich problematisch, da der Gesetzgeber hier in einem zur Verwirklichung der Grundrechte wesentlichen Bereich die notwendigen Regelungen nicht selbst getroffen hat. Im Lichte der Wesentlichkeitstheorie des BVerfG ist daher § 56 Abs. 2 SGB VII verfassungsrechtlich zweifelhaft, wird doch vom Gesetz selbst weder das Verfahren noch die Autorenschaft der Tabellen vorgegeben, so dass praktisch jedermann qua Selbstakklamation zum Urheber von MdE-Tabellen werden kann. Dies zeigt exemplarisch die Diskussion um die Berücksichtigung der Gebrauchsvorteile bei sog. mikroprozessorgesteuerten Prothesen (C-Leg). Der Beitrag mahnt daher ein Tätigwerden des Gesetzgebers an. Erfolgt dieses nicht, so wird die Rechtsprechung die MdE-Tabellen weiterhin anwenden (müssen), allerdings nicht mechanisch wie Normen, sondern in reflektiertem Bewusstsein der verfassungsrechtlichen Problematik der Tabellen. Eine Ersetzung der MdE durch eine einheitliche Verwendung des Begriffes „Grad der Schädigungsfolgen“ ist nach der gegenwärtigen Rechtslage nicht möglich und auch nicht zielführend, weil hierdurch grundlegende Unterschiede zwischen den einzelnen Normsystemen Versicherung und Versorgung außer Acht gelassen werden.

Stichworte: Minderung der Erwerbsfähigkeit – MdE- Tabelle – Verletztenrente – Gesetzliche Unfallversicherung – Rechtsnorm im materiellen Sinne – Wesentlichkeitstheorie – Vorbehalt des Gesetzes – Einzelfallgerechtigkeit – Rechtssicherheit – Grad der Schädigungsfolgen (GdS) – C-Leg

Abstract English

Legal problems with the use of MdE tables

Abstract: The reduction in earning capacity (Minderung der Erwerbsfähigkeit - MdE) is a key factor in determining the amount of industrial injury benefit in statutory accident insurance. According to Section 56 (2) of the German Social Code Book VII (SGB VII), the law relies in equal measure on two factors for the level of MdE: impairment of physical capacity and reduced opportunities for employment in every area of working life. In order to determine both of these factors in every individual case, the applier of the law would have to obtain medical and ergonomic reports. This would not be cost-effective and would lead to the sort of case law that was previously practised by the state insurance office (Reichsversicherungsamt). MdE tables have therefore been created within the scope of the National Social Insurance Code (Reichsversicherungsordnung). They have become established as a legal reality and dictate how substantive norms are applied. Whilst it is true that legal certainty and a consistent application of the law have been achieved as a result of this, MdE tables are problematic in terms of the rule of law as the legislative body itself has not made the necessary rules in an area that is essential for the realisation of basic rights. In the light of the essentiality theory of the Federal Constitutional Court (Bundesverfassungsgericht BVerfG) Section 56 (2) SGB VII is therefore dubious in terms of constitutional law if the law itself makes no provision for the procedure or the authorship of the tables, so that virtually anyone can claim to be the creator of the tables. This is shown, for example, by the discussion around the consideration of the benefit of using the microprocessor-controlled prosthetic knee (C-Leg). The article therefore reminds the legislator to take action. If this is not done, case law will (have to) continue to apply the MdE tables not mechanically in the sense of norms, however, but in a reflective way that shows an awareness of the problems posed by the tables in terms of constitutional law. The replacement of the MdE with a standardised use of the term level of damage effects is neither possible nor constructive in the current legal situation, as basic differences between the insurance and care norm systems are not taken into account as a result.

Keywords: reduction in earning capacity MdE table industrial injury benefit statutory accident insurance legal in the substantive sense essentiality theory proviso of the law individual justice legal certainty level of damage effects (GdS) C-Leg

Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. jur. Wolfgang Spellbrink
VorsR am Bundessozialgericht
Graf-Bernadotte-Platz 53
4119 Kassel

 

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Schlagworte zu diesem Artikel:

MdE-Tabellen (67%)Normsystem (42%)Selbstakklamation (42%)

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