MedSach Ausgabe: 02-2018

Aktuelle S2k-Leitlinie zur Begutachtung der Berufskrankheit „Silikose“

Über die aktuelle S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Begutachtung der Berufskrankheit „Silikose“ berichtete Dennis Nowak, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Klinikum der Universität München, auf dem 14. Pneumologie-Update-Seminar am 17. und 18 November 2017 in Wiesbaden.

Während es bei der Erstfassung der Leitlinie im Wesentlichen um die Standardisierung der Diagnostik sowie der Überarbeitung/„Abschaffung“ der „Moerser-Konvention“ ging, fokussiert die Aktualisierung von 2016 auf Ergänzungen, insbesondere der MdE-Kriterien, wobei die Angleichung an die MdE-Tabelle der Reichenhaller Empfehlung im Vordergrund steht.

Wichtig ist, so Nowak, dass die standardisierte Befundung der Low-Dose-Volumen-HRCT die Anwendung der CT-Klassifikation (ICOERD = International Classification of Occupational and Environmental Respiratory Diseases) erfordert.

Neu in der Leitlinie sind auch die bis dato kontrovers diskutierten Mindestanforderungen für eine erstmals in tabula festgestellte Silikose: In Anlehnung an die Daten aus dem südafrikanischen Goldbergbau von der Arbeitsgruppe um Hnizdo werden jetzt Befunde als insignifikant angehen, wenn weniger als fünf Silikoseknötchen pro Lungenflügel erfasst und histologisch bestätigt werden.

Ergänzt wurden auch die Ausführungen zur Belastungsuntersuchung: Wenn weder Ergometrie noch Spiroergometrie durchführbar sind, soll ein Sechsminuten-Gehtest mit Pulsoximetrie durchgeführt werden. Darüber hinaus wird für die Spirometrie-Beurteilung die GLI-Bewertung zugrunde gelegt.

In der neuen Leitlinie bleibt allerdings offen, ob bestimmte Krankheitsbilder des rheumatischen Formenkreises wie die Sklerodermie und das Caplan-Syndrom, die bei Silikose-Patienten in Einzelfällen gefunden werden, in toto als BK 4.101 (Silikose) anzusehen sind. Es bedarf weiterer Studien, die die Rolle der beruflichen Quarz-Exposition im Kontext anderer Risikofaktoren untersuchen, erklärte Nowak abschließend.

Literatur

Baur X, Heger M, Bohle RM, Hering KG, Hofmann-Preiß K, Nowak D, Tannapfel A, Teschler H, Voshaar T, Kraus T, Duell M, Heise B, Palfner S: S2k-Leitlinie nach AWMF-Schema der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin „Diagnostik und Begutachtung der Berufskrankheit Nr. 4101 Quarzstaublungenerkrankung (Silikose) der Berufskrankheitenverordnung“. Pneumologie (2016), 70: 782–812

G.-M. Ostendorf, Wiesbaden 

  • Zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Schlagworte zu diesem Artikel:

S2k-Leitlinie (39%)Leitlinie (37%)Sechsminute (34%)

Weitere Artikel zum Thema

Zeitschriftenkonzept

Der MedSach ist im Kreis der gutachtlichtätigen Ärzte seit über 100 Jahren bewährt. Er informiert in jeder Ausgabe aktuell über medizinische und juristische Probleme in Fragen der Begutachtung.

mehr

E-Mail an die Redaktion

Der direkte Draht zu Ihnen ist uns wichtig. Sind Sie mit unserem Angebot zufrieden? Haben Sie neue Ideen? Fehlt Ihnen etwas?

Schreiben Sie uns!

Heidelberger Gespräch

Vom 29. bis 30. Oktober 2018 in Heidelberg, Deutsches Krebsforschungszentrum

Weitere Informationen

 

Bookshop

Hier finden Sie ausgewählte Titel zur Arbeits- und Sozialmedizin.

zum Bookshop

 

Heidelberger Gespräch

Vom 29. - 30.10.2018 in Heidelberg, Deutsches Krebsforschungszentrum dkfz, weitere Informationen hier

Diesen Hinweis ausblenden.