MedSach Ausgabe: 01-2001, Seite 4  
Fabra, M.

Neurologische Begutachtung der erektilen Dysfunktion

Abstract deutsch

Zusammenfassung: Die neurologische Diagnostik der erektilen Dysfunktion ist komplex. Sie stützt sich vor allem auf eine ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung und wird durch neurophysiologische Untersuchungen ergänzt. Gut standardisiert sind Methoden, die die Funktionsfähigkeit des somatischen Nervensystems in bezug auf die erektile Funktion überprüfen, nämlich das Beckenboden- EMG, die neurophysiologische Bestimmung der Bulbocavernosusreflex-Latenz im Seitenvergleich, die Ableitung der sensibel evozierten Skalppotentiale des N. pudendus und die Bestimmung der Pudendus-Latenz. Umfassende Störungen des autonomen Nervensystems lassen sich mit Hilfe der Sympathischen Hautantwort und der R-Zacken-Intervall-Variabilität nachweisen. Temperaturschwellenbestimmungen erlauben eine grundsätzliche Aussage über die Funktionsfähigkeit nicht myelinisierter Nervenfasern. Leider fehlt eine standardisierte Methode zum Nachweis von Störungen der autonomen penilen Innervation im kleinen Becken, etwa nach Blutungen oder Frakturen bei Unfällen. Das etwa seit zehn Jahren in diesem Zusammenhang insbesondere in urologischen Fachkreisen propagierte Corpus-Cavernosum-EMG wird in hohem Maße kontrovers diskutiert, es ist bis heute nicht ausreichend standardisiert und erlaubt gutachtenrelevante Aussagen im Einzelfall einstweilen nicht. Neurologisch-neurophysiologische Diagnostik sollte immer in Kombination mit vaskulärer Diagnostik durch den Urologen erfolgen. Der Urologe veranlaßt u. U. notwendige Hormonanalysen. Seitens des psychiatrisch-psychosomatischen Gutachters abzugrenzen ist die psychogene erektile Dysfunktion. Die als Folge eines versicherten Ereignisses oder nach dem Schwerbehindertengesetz gutachtlich einzuschätzende erektile Dysfunktion ist je nach Rechtsgebiet (GdB, MdE, Teilinvalidität) in der Regel mit etwa 20 v. H. zu bewerten. Eine erhebliche seelische Beeinträchtigung ist aus psychiatrisch-psychosomatischer Sicht sorgfältig abzuklären.

Stichworte: erektile Dysfunktion - Impotentia coeundi - neurophysiologische Diagnostik - neurologische Begutachtung

Anschrift des Verfassers:
Dr. med. Matthias Fabra Arzt für Neurologie und Psychiatrie - Psychotherapie - Medizinisches Gutachteninstitut Mönckebergstraße 5 20095 Hamburg

 

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Schlagworte zu diesem Artikel:

Dysfunktion (54%)Urologe (47%)Skalppotenzial (42%)

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